Stellungnahme von raum13 Theater Fraktion Köln zum Interview mit Britta Lieberknecht und Kajo Nelles in akT.13

In der Tanzszene Köln ist ein Streit über die Interimsnutzung des Künf-
tigen Tanzhauses in Mülheim entbrannt. Acht renommierte Choreografen
boykottieren die Planungen des Kulturamts. Ein Interview mit Britta Lieberknecht, eine der Choreografinnen und Kajo Nelles, dem Leiter
des nrw landesbüro Tanz in Köln, lesen sie auf www.theaterzeitung-koeln.de.

Die ungekürzte Stellungnahme von Anja Kolacek und Marc Leßle, die mit raum13 Theater Fraktion Köln die Hallen in Mülheim als Interimsspielort nutzen, lesen Sie hier – sowie eine Gegendarstellung der Choreografen.

3 Kommentare

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3 Antworten zu Stellungnahme von raum13 Theater Fraktion Köln zum Interview mit Britta Lieberknecht und Kajo Nelles in akT.13

  1. theaterzeitungakt

    26.04.2010, Anja Kolacek und Marc Leßle, raum13 Theaterfraktion Köln:

    Zur Errichtung eines Tanzhauses hat die Kulturverwaltung zwei Hallen in Köln Mülheim, Schanzenstraße 35, angemietet. Die dauerhafte Nutzung als Tanzhaus macht jedoch einen umfangreichen Ausbau notwendig. Nach entsprechenden Entwurfsplanungen von Architekten und Bühnenplanern kann der tatsächliche Investitionsbedarf ermittelt werden. Dann erst kann von den politischen Gremien der Beschluss gefasst werden, ob die Stadt Köln ein solches Tanzhaus tatsächlich will und finanzieren kann. Erst nach einem positiven politischen Entscheid kann über eine Leitung des Hauses entschieden werden.

    Da die Hallen angemietet sind, Geld kosten und in Köln ein dringender Raumbedarf für den Tanz besteht, hat sich die Kulturverwaltung für eine Interimsnutzung bis Baubeginn entschieden. Für diese beschränkte Nutzungsüberlassung hat das Kulturamt einen Ideenwettbewerb
    ausgeschrieben. Dieser Beschluss wurde am 19. November 2009 bei einer Besichtung der angemieteten Hallen der Kölner Tanzszene vorgestellt und in der Presse veröffentlicht.
    Für die Bewerbung der temporären Nutzung wurde ein relativ kurzer Zeitraum eingeräumt. Da seit vielen Jahren über ein Kölner Tanzhaus diskutiert wird, war davon auszugehen, dass bereits viele Ideen und Visionen vorliegen.

    Für raum13 sind vier Wochen eine lange Zeit, denn wenn eine inhaltliche Idee zugrunde liegt, ist ein Konzept schnell geschrieben. Da es uns ein großes Anliegen ist, möglichst viele Kollegen und Kolleginnen in unsere Pläne mit einzubeziehen, haben wir unser Konzept der Kölner Tanzszene noch vor Abgabe unseren Ideenvorschlags beim Kulturamt vorgestellt.

    Unser Konzept besteht im wesendlichen aus drei Teilen:
    1. Vorbereitungsphase (Zulassung als Versammlungsstätte, Räumlichkeiten nutzbar machen als Agitationspunkt für die ganze Kölner Tanzszene, Training, Proben, Workshops u.a.)
    2. ALLESWASTANZT GIPFEL #2 am 8. Mai 2010 (Öffnung der Hallen für ein möglichst breites Publikum)
    3. Aufführungsreihe der vielfältigen Kölner und Bonner Tanzszene.

    Bei der Besprechung mit der Tanzszene gab es den deutlichen Wunsch von Ilona Paszty und Achim Conrad, dass außerhalb der Projektgelder, zusätzliches Geld für die Aufführungsreihe nach dem ALLESWASTANZT GIPFEL #2 durch die Stadt frei gemacht wird.

    Ein gemeinsamer, von uns mit dem Vorstand der Tänzerinitiative formulierter Antrag an das Kulturamt, der sich auf 65.000.-€ belief, wurde mehrheitlich von der Kölner Tanzszene unterschrieben. Dabei waren auch die Kollegen, die jetzt das ganze Unternehmen missbilligen.
    In diesem Antrag heißt es u. a.: „Der Interimsbetrieb des Tanzhauses ist ja nicht nur eine Art Labor für den dauerhaften Betrieb des Hauses, vielmehr wird sein funktionieren und seine Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus die Attraktivität des Kölner Tanzhauses und damit hoffentlich seine Durchsetzbarkeit wesentlich bestimmen.“

    Vor diesem Hintergrund erscheint uns der Prozess mit dem Angebot des Kulturamts zur Interimsnutzung für alle Beteiligten transparent und klar. Da das Konzept von raum13, dass einzige Konzept war, dass über die Belange einer einzelnen Gruppe hinausgeht und die Räume für einen möglichst großen Teil der Szene nutzbar machen möchte, hat das Kulturamt der Stadt Köln die Nutzung der Hallen von Mitte Januar bis Mitte Juli 2010 an raum13 übergeben. Wir und unsere Kooperationspartner finden es eine wunderbare Gelegenheit, die Hallen, die die Stadt Köln als Tanzhaus erkoren hat, bereits jetzt nutzen zu können, da es bereits jetzt einen hohen Bedarf gibt. Wir sehen jeden Tag an dem wir künstlerisch arbeiten können, als einen gewonnenen Tag.

    Die Aufführungsreihe bis Mitte Juli ist sehr gut besetzt, durch Choreografen und Tänzer aus der Köln / Bonner Szene, unter anderem auch ehemalige Kresnik und Pretty Ugly Tänzer und weitere sehr erfahrene und gut ausgebildete Kollegen. Das Deutsche Tanzarchiv Köln kooperiert genauso wie die Kunsthochschule für Medien. Weitere Unterstützung erfahren wir von den Städtischen Bühnen Köln, dem E Werk, Total Anders Veranstaltungstechnik, coolux media systems, etc lighting, music store, um nur einige zu nennen.

    Für uns ist es sehr wichtig, dass viele junge Tänzer und Choreografen sich einbringen, da das zukünftige Tanzhaus ja vor allem für die nächste Generation gebaut werden soll und nicht für uns 40-50 jährige. Von einer „Villa Kunterbunt“ (Nicole Strecker) kann überhaupt nicht die Rede sein. Ein Blick auf den Spielplan und die Vitae der einzelnen Beteiligten beweist das Gegenteil. Schon jetzt gibt es großartige Kontakte, National wie International, die ihre Unterstützung zugesagt haben und die nicht darauf schauen, ob das Haus schon den Anforderungen entspricht, die man sich natürlich in Zukunft wünscht. Kunst entsteht dort, wo sie gemacht wird. Es gibt keine DIN-Norm für Bühnentanz, dementsprechend gibt es auch keine Norm für ein Tanzhaus.

    Nach der Schlüsselübergabe haben wir uns sofort eine realistische Kalkulation erstellt und alle Kollegen gebeten, uns Vorschläge für die Aufführungsreihe zu machen. Da zu dieser Zeit eine Finanzierung mehr als fraglich war, konnten wir keine Gagen zusichern, sondern nur eine Einnahmebeteiligung zusagen. Inzwischen liegt von der Stadt Köln für die Bespielung eine Zusage über 80.000 Euro vor. Das Land hat einen ähnlich hohen Betrag in Aussicht gestellt. Ein Bewilligungsbescheid ist bisher nicht erfolgt. Wie schwierig eine Finanzierung trotz Zusagen in der gegenwärtigen Finanzsituation ist, mag daraus zu ersehen sein, dass raum13 für alle bisher entstandenen Kosten in Vorlage getreten ist.

    Wir sind sehr gespannt, wie mit Beginn der öffentlichen Veranstaltungen am 8.Mai das Publikum das Tanzhaus annehmen wird. Vor diesem Hintergrund erfüllt uns die aktuelle Diskussion in Teilen der Kölner Tanzszene und einige Presseäußerungen natürlich mit Sorge. Natürlich wissen wir, dass die GZT und das Landesbüro NRW sowie einige Kölner Choreografinnen seit langem wertvolle gedankliche und auch kommunikative Überzeugungsarbeit für die Entstehung eines Tanzhauses in Köln leisten. Auch wir halten dieses Engagement für wichtig, glauben jedoch, dass nun auch die Zeit für Handeln gekommen ist. Wir glauben, dass die Wünsche, der Bedarfe und die Forderungen für ein Tanzhaus jetzt an etwas Konkretem und nicht an einem Phantom festgemacht werden sollten. Das Haus in Mülheim erachten wir hierfür als sehr geeignet. Es ist doch viel schwieriger, etwas Existierendes, und sei es ein Interim, wieder wegzudiskutieren. Ungleich einfacher und geräuschloser verschwinden Pläne und Visionen wieder, eine Gefahr, die wir in der aktuellen Haushaltssituation als besonders relevant sehen.

    Unsere Gesprächsbereitschaft liegt vor, und wir erneuern diese hiermit ausdrücklich. Wir möchten gerne unsere Argumente austauschen und diskutieren, um die bestmögliche Strategie für ein Tanzhaus Köln zu entwickeln. Wir haben die Pflicht, außerhalb unserer persönlichen Befindlichkeit, jetzt die Situation zu nutzen, um alle davon zu überzeugen, dass Köln ein Tanzhaus bekommt.
    Kunst kennt keine Grenzen und bedeutet den Mut, „Undenkbares zu denken, nicht Machbares zu machen und Unsichtbares sichtbar zu machen“. Gemeinsam mit allen Tanzschaffenden, dem Kulturamt, der Politik, den Bürgern und der Wirtschaft wollen wir in Köln eine Vision in die Wirklichkeit umsetzen.

    • theaterzeitungakt

      Gegendarstellung

      Wir Unterzeichnenden erklären hiermit, dass raum 13 weder uns noch der freien Tanzszene allgemein seine Pläne zur Leitung eines Tanzhaus Köln Interim vorab vorgestellt hat. Wir wurden über die Antragstellung von raum 13 weder informiert, noch haben wir einen Antrag von raum 13 unterzeichnet. In unserem eigenen Antrag war raum 13 nicht als Interimsleitung vorgesehen.
      Wir nehmen am derzeitigen Tanzhaus Köln Interim nicht teil
      1) weil seine Errichtung vom Kulturamt unkorrekt durchgeführt wurde und wir einen professionellen Umgang mit uns und dem Tanzhaus Köln sowie mit seinem Interim fordern.
      2) weil wir raum 13 nicht als kompetente Leitung für ein Tanzhaus Köln Interim anerkennen.

      Unterzeichner: Britta Lieberknecht, D_IN_A 13 tanzcompany, IP Tanz (Ilona Pászthy), MOUVOIR (Stephanie Thiersch), movingtheatre.de, Silke Z./resistdance, tanzfuchs PRODUKTION (Barbara Fuchs)

  2. theaterzeitungakt

    Wir freuen uns, Euch darüber informieren zu können, dass die
    Unstimmigkeiten innerhalb der Tanzszene und die Differenzen mit dem
    Kulturamt beigelegt wurden und wir nun mit erneuerten und gemeinsamen
    Kräften und Zielen die Errichtung des zukünftigen Tanzhauses Köln
    verfolgen. Szene und Kulturamt haben die Einrichtung einer
    Lenkungsgruppe unter der Leitung des Kulturamtsleiters Herrn Dr.
    Schmidt-Werthern zum 28.6. beschlossen, die die Belange des Hauses
    einschließlich der weiteren Zwischennutzung der Hallen in Köln Mülheim
    entwickeln und zur Entscheidung bringen wird. Zur Nutzung der Hallen ab
    August kann man jetzt schon sagen, dass keine Mittel für 2010 mehr zur
    Verfügung stehen, die Tanzszene aber die Hallen in Mülheim für Proben,
    Workshops, Infomelles und zum Austausch nutzen soll. Die inhaltlichen
    und kulturpolitischen Differenzen über das bestehende Interim wurden
    anerkannt.

    Das Konzept zum zukünftigen Tanzhaus wurde von uns inzwischen
    weiterentwickelt zu einer Dreieckskooperation zwischen dem Modul
    Tanzhaus Köln in Mülheim, Produktionsstätten der Szene wie Barnes
    Crossing u.a.m. und der zukünftigen städtischen Tanzcompany mit eigenem
    Haus im Gebäudeensemble am Offenbachplatz mit dem Ziel, Künstler und
    Publikum zwischen diesen Polen fliessen zu lassen und im Verein mehr
    Mittel und Möglichkeiten zu erschließen.
    Mit freundlichen Grüßen

    Achim Conrad (movingtheatre.de)
    Stephanie Thiersch (mouvoir)
    Silke Z. (Silke Z./resistdance)
    Barbara Fuchs (tanzfuchs PRODUKTION)
    Gerda König (DIN A 13 tanzcompany)
    Ilona Pászthy (IP tanz)
    Britta Lieberknecht (Britta Lieberknecht)
    Mechtild Tellmann (Mechtild Tellmann Kulturmanagement)
    Kajo Nelles ( nrw landesbüro tanz )
    Vera Sander (Hochschule für Musik und Tanz Köln, Zentrum für
    zeitgenössischen Tanz)

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